Der Ökumenische Pilgerweg
Anregungen und Fragen an die Akteure

www.oekumenischerpilgerweg.de | Neues Thema | Suche | Hilfe |

» Foren Übersicht » Anregungen und Fragen an die Akteure » Thema: Pilgern wie im Mittelalter

Gesendet am 26/10/07 17:54:44
Kay Vieluf
Beiträge: 2

Pilgern wie im Mittelalter

Hallo,

ich bin ein freund des Mittelalters und da liegt auch schon das Problem. Ich möchte eine "Zeitreise" um das Jahr 1220 unternehmen und so reisen wie es die Menschen in dieser Zeit taten. Angefangen von der Verpflegung bis hin zur Übernachtung. Da ich mir vorstellen kann das es nicht immer und überall Übernachtungsmöglichkeiten gab wie wir es heute haben. Für ihre Unterstützung wäre ich sehr dankbar

Mit freundlichen Grüßen

Kay Vieluf

Gesendet am 26/10/07 19:14:08
Hartmut
Beiträge: 23

Re: Pilgern wie im Mittelalter
Hallo Kay!
Ich kann dir nur raten, dich bei ZDF oder ARD zu melden. Die machen doch des Öfteren solche Zeitreisen (Bräuteschule, Leben wie im Gutshaus 1900...) Vielleicht findest du ja jemanden, der mit dir ein Konzept ausarbeitet, wäre ja toll!
Und wenn es klappen sollte, dann sag bitte bescheid, ich würde das nämlich gern mitmachen!

Gesendet am 26/10/07 19:33:40
Kay Vieluf
Beiträge: 2

Re: Pilgern wie im Mittelalter
@ Hartmut

Daran habe ich auch schon gedacht, aber die Sender arbeiten sehr nach Kommerz und das ist nicht das was ich unbedingt haben möchte.
Aber trotzdem danke für die info
Dann werde ich noch weiter suchen ))
Also bis bald......

Kay

Gesendet am 27/10/07 18:40:59
christoph_kühn

Re: Pilgern wie im Mittelalter
Hallo Kay,

muss es "um das Jahr 1220" sein oder tut es auch "um das Jahr 1520"? Zu dieser Zeit war die Infrastruktur für Pilger schon weitaus verbessert: Wenn du pilgerst wie "um 1220", kannst Du keine Herberge nutzen, denn die gab es damals auf der Via Regia noch nicht. Auch an den bedeutenden gotischen Kirchen und Kathedralen in Görlitz, Bautzen oder Erfurt müsstest Du dann achtlos vorübergehen. Der Naumburger Dom war wenigstens im Bau, aber die Stifterfiguren im Westchor stehen dort erst seit 1250.

Andererseits besteht nach 1346 die Gefahr, einem Pestkran ken in die Arme zu laufen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Du solltest sorgfältig überlegen und mit dem Profil der Via Regia abgleichen, wo genau Du den Zeitschnitt ansetzen willst.

Ich bin allerdings sehr skeptisch, ob eine Rekontruktion überhaupt möglich ist. Mein Tipp als Pilger und als Kunsthistoriker an Dich: Geh als Du selbst auf den Weg und schlüpfe nicht in ein Kostüm.

Gruß

Christoph

Gesendet am 11/12/07 19:43:35
Ingo
Beiträge: 19

Re: Pilgern wie im Mittelalter
Hallo Kay, ich sehe das ähnlich wie Christoph.

Ich habe mir ebenfalls einmal überlegt, wie es wäre, als mittelalterlicher Pilger durch die Lande zu ziehen. Das Projekt scheiterte jedoch an der Pilgerwirklichkeit, die sich seit damals komplett verändert hat. Ganz egal wo du den Zeitschnitt im Hochmittelalter für deine Reise ansetzt, bist du doch niemals mit den selben Problemen wie ein mittelalterlicher Pilger konfrontiert.
Zum Beispiel bestand Deutschland damals aus vielen kleinen Staaten mit jeweils eigenen Gesetzen, Maßen, Währungen und sogar anderen Sprachen. Der „normale Mensch“ im Mittelalter konnte nicht lesen und hatte nur einen begrenzten geografischen Horizont, der oft wirklich nur bis ins nächste Dorf reichte. Die Informationsbeschaffung war demnach eine ganz andere als heute. Heute gibt es überall befestigte Straßen, Wegweiser, Landkarten und allerlei Informationsmöglichkeiten, die es im Mittelalter nicht gab. Die Angst vor dem Fegefeuer war früher genauso real wie die Angst vor der weltlichen Obrigkeit. Ein kirchlicher Bann war gleichbedeutend mit dem Ausschluss aus der Gesellschaft. Ein mittelalterlicher Pilger musste sehr viel flexibeler sein als heute und wissen, welche Politik welches Kloster betreibt. Er war echten Wegelagerern ausgeliefert. Das Schlafen unter freiem Himmel dürfte wohl eher die Regel als die Ausnahme gewesen sein – ganz abgesehen von der Nahrungsbeschaffung, die ein weiteres Problem darstellte. Flüsse waren ein echtes Hindernis, das die tatsächlich gehbaren Strecken immens einschränkte.

Zudem müsstest Du dir überlegen, als was für ein Pilger du gehen willst. Denn „den Pilger“ hat es früher genauso wenig gegeben, wie heute. Pilgern hatte immer einen Zweck – und meistens mehrere Motive. Es gab Bußpilger, Delegationspilger, pilgernde Mönche, Handwerker die etwas „auf dem Kerbholz“ hatten, Strafpilger etc.

Zu diesem Thema kann ich dir ein gutes Buch empfehlen:

Norbert Ohler / „Reisen im Mittelalter“ / dtv-Verlag / München 1986 / ISBN 3-423-11374-x. Es ist sehr gut zu lesen, nimmt einem aber etwas die Ritterbuch-Illusionen vom Mittelalter.

Ich fürchte, ganz egal wie du es drehst oder wendest, dein Versuch als mittelalterlicher Pilger durch die Lande zu ziehen ist am Ende nichts anderes als eine Wanderung in Verkleidung.
Wenn du dich wirklich einmal wie ein mittelalterlicher Pilger fühlen willst, dann solltest du ohne Landkarte und wenig Bargeld einmal durch die rumänischen Karpaten wandern und dich nur mit durchfragen orientieren. Das kommt der Realität des Mittelalters wesentlich näher.

Ich wünsche dir jedoch trotzdem weiterhin viel Spaß am Thema Pilgern und Mittelalter!

Schönen Gruß

Ingo (cyclejakob)

Zurück

» Foren Übersicht » Protokolle


Powered by SimpleForum Pro 4.6.1